Wie oft sollten Sie auf Ihr Wertpapierdepot schauen?

Täglich, wöchentlich oder nur ein paar Mal im Jahr? Die Wissenschaft liefert eine überraschende Erkenntnis: Wer seltener ins Depot schaut, trifft möglicherweise die besseren Anlageentscheidungen.

Dank Smartphone und Banking-Apps können wir unsere Geldanlage jederzeit überprüfen. Doch ist es wirklich sinnvoll, täglich zu beobachten, ob das Depot gerade im Plus oder Minus liegt?

Warum häufiges Nachsehen zum Problem werden kann

Die Verhaltensforschung kennt ein Phänomen namens myopische Verlustaversion. Dahinter steckt eine einfache Erkenntnis: Verluste schmerzen uns stärker, als uns gleich hohe Gewinne erfreuen.

Wer sein Depot täglich kontrolliert, erlebt zwangsläufig viele kurzfristige Kursschwankungen. Selbst bei einer langfristig erfolgreichen Geldanlage können sich dadurch immer wieder unangenehme Gefühle einstellen. Die Gefahr: Man wird nervös und verändert seine ursprünglich vernünftige Anlagestrategie.

Was sagt die Wissenschaft?

In einem Experiment aus dem Jahr 1997 untersuchten die Verhaltensökonomen Richard Thaler, Daniel Kahneman und ihre Kollegen, wie sich die Häufigkeit von Rückmeldungen auf Anlageentscheidungen auswirkt.

Das bemerkenswerte Ergebnis: Teilnehmer, die besonders häufig Informationen über ihre Anlageergebnisse erhielten, gingen weniger Risiken ein und erzielten im Experiment geringere Erträge.

Eine weitere vielbeachtete Untersuchung der Finanzwissenschaftler Brad Barber und Terrance Odean analysierte die Wertpapiergeschäfte von über 66.000 US-Haushalten. Sie zeigte, dass besonders handelsaktive Anleger deutlich schlechter abschnitten als der Gesamtmarkt.

Natürlich bedeutet häufiges Nachsehen nicht automatisch häufiges Handeln. Die Studien verdeutlichen aber, wie sehr unser Verhalten den Anlageerfolg beeinflussen kann.

Wie oft ist nun sinnvoll?

Für langfristig orientierte Anleger, die nicht aktiv handeln, kann eine einfache Regel hilfreich sein:

  • Einmal pro Quartal: Das Depot überprüfen und die Entwicklung der Geldanlage beurteilen.

  • Einmal jährlich: Kontrollieren, ob die Aufteilung der Anlagen noch zu den persönlichen Zielen passt, und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen.

  • Bei wichtigen Veränderungen: Wenn sich die Lebensumstände oder finanziellen Ziele ändern, sollte die Anlagestrategie überprüft werden. Wichtige Mitteilungen der Depotbank sind natürlich zeitnah zu beachten.

Diese Intervalle sind eine praktische Orientierung, keine wissenschaftlich festgelegte Idealhäufigkeit.

Unser Fazit: Weniger beobachten, langfristiger denken

Ein Wertpapierdepot ist kein Tagesgeschäft, sondern ein Instrument zum langfristigen Vermögensaufbau. Entscheidend ist nicht, was die Börse heute oder morgen macht, sondern ob die gewählte Anlagestrategie über viele Jahre zu den eigenen Zielen passt.

Vielleicht ist der beste Tipp für langfristige Anleger daher ganz einfach: Schauen Sie seltener ins Depot – und geben Sie Ihren Investitionen die Zeit, die sie brauchen.

Wissenschaftliche Grundlagen:

Die beiden Studien sind wissenschaftlich veröffentlicht und stützen die Kernaussagen.

Oxford Academic+1

Für machmehr.at ist insbesondere die Quartalsregel hervorzuheben. Sie ist leicht zu merken, vermittelt einen konkreten Kundennutzen und passt zur Philosophie des langfristigen Vermögensaufbaus. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen regelmäßiger Kontrolle und unnötigem Eingreifen in eine funktionierende Anlagestrategie.


Weiter
Weiter

Die Welt hat so viele Schulden wie nie